Mein Dorf
Ich würde mich als Stahlerin durch und durch bezeichnen. Zwar habe ich ein kurzes halbes Jahr in einem anderen Dorf verbracht, aber zuhause bin ich hier.
Aufgewachsen an und in der Twier, mit Bachtaufe inklusive Klitschen.
Ich bin in den St. Anna Kindergarten gegangen, natürlich zu Fuß über den Bolzer. Hier die absolut beste Gruppe der Welt besucht: die Blaue! (ohne Diskussion).
Nix Feldmaus, nix Bärengruppe, wir waren eine Farbe.
Hier hatte ich meinen ersten Freund und meine erste beste Freundin, natürlich auch Stahlerin.
Ich kam in die katholische Grundschule Stahle und wurde, wie wahrscheinlich auch schon meine Mutter, von der Lehrerin wegen Quatschen an den Ohren gezogen. Ich habe die „Banillemilch“ beim Hausmeister abgeholt.
In den vier Grundschuljahren habe ich an Schulfesten, Martinsumzügen und Bundesjugendspielen teilgenommen. Natürlich immer sehr erfolgreich.
Vom Mutter-Kind-Turnen an (als Kind), über den Fußball (als Kind und als Mutter) bis hin zum heutigen Tag bei Bauch-Beine-Po (motiviert, oft frustriert) bin ich dem FC Stahle Jahrzehnte treu geblieben (Gold-Abzeichen!).
Ich war Blumenmädchen bei der Prozession und mehr als einmal ist mir vom Weihrauch schlecht geworden. Auf Hochzeiten habe ich Bändchen gehalten, Geld gesammelt und sofort bei Elferts in bunte Tüten umgesetzt. Bei Tante Toni Cola getrunken und bei Möhrings im Dorfkrug Fußballsiege gefeiert. Bei Reschwamm Kaugummi in Zahnpastatuben gekauft. Leider viel zu selten im Pfarrheim die Ballerburg besucht.
Als cooler Tennie auf dem Schulhof abgehangen.
In der Alten Molkerei viele schöne Stunden verbracht, Bands gefeiert und begossen.
Nicht ein Fest im Dorf verpasst und dieses auch für die Zukunft geplant. Dafür mehr als eine weiße Hose gebügelt. An den schönsten Umzügen hinter der Kapelle hermarschiert. Meist singend. Meist feucht-fröhlich. Immer super. In und aus dem Mai gefeiert. Den Wintermarkt in der Scheune besucht und beim Oktoberfest bedient. An Konzerten und Theaterstücken in der Freilichtbühne teilgenommen und Mittsommer gefeiert. In der Kapelle die Glocken geläutet und am Kreuz die Aussicht genossen.
Zum östlichsten Punkt Westfalens marschiert, einmal ums Schild gelaufen und auf dem Rückweg aus der Quelle getrunken.
Den Ursprung der Twierquelle gesucht… nie gefunden.
Auf den Kiekenstein gewandert und Namen in einen Baum geritzt.
Freunde fürs Leben gefunden und auch verloren.
Verliebt, verlobt und auch geheiratet. Typischen Stahler Nachnamen angenommen, natürlich mit Beinamen.
Im Schatten des Kiekensteins mit Blick auf die Weser erwachsen geworden.
Kinder bekommen.
Hier geht das Spiel wieder von vorne los…natürlich mit der einen oder anderen klitzekleinen Veränderung, aber immer in unserem schönen Dorf.
Heimat gelebt und geliebt.
Mein Dorf: Stahle
KK