Heimatliebe

Als es noch Milchkanne gab

Ein Kesselwagen kam nicht in den Ort.
An Gossen standen Kannen aufgereiht.
Milchbänke gab es dann zu spät’rer Zeit,
und einer fuhr die vielen Kannen fort.

Einst holte Heinrich Hilmer Kannen ab,
im Winter, wenn der Schnee lag, mit dem Schlitten.
Dann ließ sich Heinrich Warneke nicht bitten,
und immer war er, Tag für Tag, auf Trab.

In 21 Jahren! Ach, im Frieden
– fünf Jahre lang – war keine Brücke da,
so daß man Kannen auf der Fähre sah.

Der Müßiggang war Heinrich nicht beschieden.
Sohn Herbert schritt mit ihm durch dick und dünn,
bei Sturm und Wind… Wie ging die Zeit dahin!

Heinz Mönkemeyer

Heimatdichter, * 30. März 1928, † 26. Dezember 2006

Bürgermeister von Stahle (bis zur Eingemeindung 1970), Ratsherr, Bezirksverwaltungsstellenleiter, Ortsheimatpfleger, Heimatdichter, Schriftsteller. Er war Ehrenmitglied der Hoffmann-von-Fallersleben-Gesellschaft, Träger der Ernst-Moritz-Arndt-Plakette (1993) und Inhaber des Ehrenamtspreises der Stadt Höxter (2004).

Gedicht aus dem Band „Stahler Sonette: Rückwärts blickend vorwärts schauen“ von Heinz Mönkemeyer. Veröffentlich 1996 vom MuNe-Verlag, Paderborn. ISBN: 3-9805505-1-6.

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Anmerkung:
Heinrich Warneke fuhr von 1939 bis 1960 die Milchkannen zur Holzmindener Molkerei. Sin Nachfolger bis Ende September 1972 war Dieter Borgolte. Dieser bediente sich eines Treckers. Schon ab 1906 waren Milchkannen transportiert worden, zunächst zum Stahler Molkereigebäude hinter der Straßenkreuzung in Richtung Holzminden. Die Molkerei schloß 1932 ihre Tore. Für immer! Ab Oktober 1972 kam ein Kesselwagen ins Dorf.

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