Kolumne

Zwischen Hysterie und Händedesinfektion…
oder wer hat das Klopapier geklaut?

Komische Tage sind das. Ich dachte, der nächste Blog geht über die wunderschön fließende Twier, Damm bauen und einen richtigen Klitschen kriegen – aber auch hier hat sich der Virus eingeschlichen.

Langsam aber sicher hat er uns erreicht. Mit voller Wucht trifft er jeden. Ob Home office, keine Schule, Betriebsschließung oder soziale Isolation; jeder kann etwas erzählen.

Woche 1
plus 2 Kilo

Montag
Komische Stimmung überall. Jeder redet drüber. Was letzte Woche noch belächelt wurde, ist jetzt ernst. Hustende und niesende Menschen werden gemieden. Corona ist überall. Außer in der Schule, die hat nämlich geschlossen. Die Kinder finden die verfrühten Ferien noch lustig. Die Eltern versuchen sich zu organisieren, nicht über Oma und Opa, das ist verboten. Nur wohin?

Dienstag
Es fängt alles an zu wackeln. Die Börse, das Gesundheitssystem und auch die Stimmung. Ich kaufe Mehl. Wofür weiß ich noch nicht. Alle kaufen Mehl. Und Schnöker. Sollte das alle sein, haben wir wirklich ein Problem. Auch die Arbeit verändert sich. Ich komme zurück auf meine alte Stelle. Hier werde ich jetzt dringender gebraucht. Fühlt sich an wie an der Front. Noch ist alles ruhig. Die ersten Fälle werden bekannt und sind sogar Bekannte. Woanders verändern sich die Betriebe auch. Home office und Kurzarbeit sind wohl die meistgesagten Worte nach Corona und Klopapier. Hausaufgaben sind per E-Mail eingetroffen. Lange Gesichter. Abgabetermin am Freitag. Also ran. Wir Eltern werden Teilzeit-Lehrer.

Mittwoch
Ob ich auch nochmal Klopapier kaufe? Ich trau mich nicht. In Frankreich stehen Rotwein und Kondome an erster Stelle. Bei uns in Deutschland Klopapier und Mehl. Den Kindern wird das Treffen und der Umgang mit anderen Kindern verboten. Es schmerzt, vor allem weil wir jetzt nicht nur als Lehrer und Mentor, sondern auch Motivator, Animateur und Sporttrainer fungieren müssen.

Donnerstag
Es kommt schlimmer. Schokolade ist alle. Mehr kaufen bringt nix. Wir essen bei vollen Kühlschränken auch mehr. Vier Stunden Hausaufgaben-Begleitung. Überlege, ob ich mich mit Sie ansprechen lasse. Nur wegen des Respekts. Der sinkt. Mit jeder Matheaufgabe, Grammatikfrage und Geschichte (konnte ich noch nie). Heimlich google ich Konsonant, Primzahlen, Quersumme, Gremien der BRD. Es ist einfach zu lange her.

Freitag
Fühlt sich nicht an wie Freitag. Versuche durch Struktur den Alltag in den Griff zu bekommen. Klappt nicht. Da erst mittags gefrühstückt wird, verschiebt sich alles nach hinten. Die Playstation ist Gewinner bei allen Vorschlägen. Gutes WLan ist ein Muss. Dafür wird die Wäsche weniger. Kein Ausgang, kein Sport, keine Feier… traurig alleingelassene Socken tümmeln sich mit ein paar Unterhosen im Wäschesack. Lohnt nicht. Spare immens an Waschpulver. Und, an Sprit: keine Taxifahrten, keine Shoppingtouren.

Samstag
Die Stimmung sinkt. Erwische mich selber in der Trainingshose von gestern. Mein Handy zeigt, dass sich die wöchentliche Nutzung mehr als verdoppelt hat. Ja, selten habe ich mit so vielen geschrieben, nachgelesen und telefoniert wie in der letzten Woche. Vielleicht mit sechzehn, wo telefonieren noch was kostete… Aber vielleicht kommt „Briefe schreiben“ ja zurück. Überträgt sich der Virus auf Briefpapier? Ich klatsche heute für unseren Briefträger und für den Schlachter. Was wären wir nur samstags ohne Mett.

Sonntag
Immer noch Wochenende. Ich backe. Ich hasse backen. Soweit ist es gekommen. Ah, aber dafür brauche ich auch das Mehl. Ich rede teilweise mit mir selber. Mache Witze über mich und mein Outfit. Aber keiner lacht. Ich brauche soziale Kontakte. Mann und Kinder lasten mich nicht aus. Immerhin ist das Wetter schön. Jetzt tagelanger Regen, nicht auszudenken. Heute wollen wir, natürlich nur mit der kleinen Familie, eine Wanderung unternehmen. Lange Gesichter. Na bravo, Motivator kann ich wohl von meiner Berufsliste streichen.

Ich hoffe, der Spuk ist bald vorbei. Ich befürchte aber, dass der 19. April (was auch immer da ist), nicht das Ende der Pandemie ist. Aber wir brauchen ein Ziel. Für heute ist es der Kiekenstein. Allein.

Bleibt gesund!

Bis nächsten Sonntag,
KK                                                                                                                                                                                                                            22.03.2020

 

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17.02.2020: In einem kleinen Dorf in der Nähe der Stadt…

Ich kann gerne versuchen, die passende Überschrift zu finden, aber vielleicht schreibe ich sie auch mal unter den Text – um die Spannung zu halten. Dann müsste der Textanfang gleich einschlagen und fesseln. Nicht so einfach.

Wer sich hier auf diese Seite verirrt, ist hoffentlich interessiert am Dorfleben und an den Stahlern an sich. Aber auch an meinem Text???

Vielleicht starte ich mit prägnanten Schlagwörtern wie Orgel, Grundschule oder Hundekot. Das sind wahrscheinlich die meist diskutierten Themen der letzten Jahre in Stahle. Darüber will ich aber gar nicht schreiben! Lieber über Alltägliches, vielleicht einfach über langweiliges Geschehen im kleinen Dorf Stahle – oder aus meiner kleinen Welt.

Und, ob der von mir verfasste Text zum derzeitigen Geschehen passt, kann ich versuchen, wird aber nicht klappen. Oft sind es bekanntlich die Dinge, die das Fass zum Überlaufen bringen, die einen plötzlich irgendwie tangieren oder Sachen, die einfach untergehen, die aber Aufmerksamkeit verdienen.

Natürlich sind die hier beschriebenen Personen frei erfunden. In jedem Ort gibt es schließlich viele verschiedene Menschen, ohne die unser Dorfleben um einiges trauriger wäre. Nicht so bunt und vielfältig – und auf Schützenfest auch mal feucht fröhlich unterwegs. Wobei vom Fest hier nix aufgeschrieben und/oder schriftlich fixiert wird. Was auf dem Fest passiert, bleibt auf dem Fest. War das nicht so???

Vielleicht erkennt sich der ein oder andere in der ein oder anderen Geschichte wieder. Es soll keine Kritikseite werden. Eher ein amüsierender Zeitvertreib, ein Kurztrip in meinen (manchmal) verdrehten Lieblingsort.

In diesem Sinne, weiterlesen und lächeln…

Bis zu nächsten Mal,
KK

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