Eckdaten & Geschichte

Lage

Stahle ist ein Ortsteil der Stadt Höxter und liegt im schönen Weserbergland. Hier befindet sich der östlichste Punkt Nordrhein-Westfalens. Gleichzeitig ist es die nördlichste Ortschaft der ostwestfälischen Stadt Höxter. Stahle ist ein reizvoller Wohnort mit guter Infrastruktur. Durch die Nähe zur auf der anderen Weserseite gelegenen niedersächsischen Kreisstadt Holzminden (2 km) sowie zum Zentrum der westfälischen Kreisstadt Höxter (8 km) ist Stahle bestens eingebunden.

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Koordinaten: 51° 50? 14? N, 9° 25? 49? O [1]

 

Daten

Allgemeine Daten
Stahle:Ortsteil der Stadt Höxter
Höhe:90 m ü. NN
Fläche:9,16 km²
Einwohner:2568 (31. Dezember 2012)
Eingemeindung:1. Januar 1970
Postleitzahl:37671
Vorwahl:05531
Einwohnerentwicklung
JahrEinwohner
01.12.1910 [3]860
1925 [4]1.025
1933 [4]1.131
1939 [4]1.231
31.12.19672.453
23.06.1998 [5]2.609
31.12.2003 [5]2.803
31.12.2005 [5]2.816
31.12.2006 [5]2.756
31.12.2007 [5]2.711
31.12.2008 [5]2.664
31.12.2011 [6]2.612
31.12.2012 [6]2.568

 

Sehenswürdigkeiten

Im Dorfkern:

  • die St. Anna-Kirche mit barockem Sandsteinportal und Kirchturm, beide aus dem Jahr 1732, beide denkmalgeschützt.

Auf dem Stahler Feldberg:

  • das weithin sichtbare, 15 Meter hohe Friedenskreuz aus Holz 1959 errichtet;
  • die Marienkapelle aus dem Jahr 1834, die bis heute für Andachten und die jährliche Gelöbnisprozession genutzt wird;
  • die zwischen 1948 und 1959 in einer ehemals baum- und buschlosen Steinkuhle errichtete Natur-Freilichtbühne, die für Theateraufführungen und Konzerte genutzt wird.[7]
      

Am Ortsausgang Richtung Hameln (gegenüber dem Hotel Kiekenstein):

  • ein denkmalgeschützter ehemaliger jüdischer Friedhof mit 5 Grabsteinen aus den Jahren 1883 bis 1904, jeweils mit hebräischer Inschrift auf der Vorderseite und deutscher Inschrift auf der Rückseite.

Im Westfälischen Freilichtmuseum Detmold:

  • eine 1808 erbaute Lohnbäckerei als staatlich konzessionierter Gemeindebackofen und ein 1830 erbauter ehemaliger Kuhstall und Abort, beide zum Haupthaus des Hofes Hilmer-Borgolte gehörend, wurden 1983 in Stahle abgebaut und 1986 im Westfälischen Freilichtmuseum Detmold wieder aufgebaut.

 

Persönlichkeiten

Heinz Mönkemeyer (* 30. März 1928, † 26. Dezember 2006)

Bürgermeister von Stahle (bis zur Eingemeindung 1970), Ratsherr, Bezirksverwaltungsstellenleiter, Ortsheimatpfleger, Heimatdichter, Schriftsteller. Er war Ehrenmitglied der Hoffmann-von-Fallersleben-Gesellschaft, Träger der Ernst-Moritz-Arndt-Plakette (1993) und Inhaber des Ehrenamtspreises der Stadt Höxter (2004).[8]

Artikel im Literaturportal Westfalen

Beitrag auf der Webseite des Stahler Blasorchesters

 

Geschichte[9]

Stahle wurde urkundlich unter den Namen Stalo bzw. Stela im 9. Jahrhundert im Zuge einer Schenkung an das Kloster Corvey erstmals erwähnt. Stahle war eine Siedlung des germanischen Stammes der Sachsen. Kaiser Karl der Große besiegte die Sachsen und sein Sohn, Ludwig der Fromme, gründete 822 das Kloster Corvey. Er schenkte dem Kloster Land zur Bewirtschaftung. Als Verwalter fand man die Namen Christian von Stahle (1190) und Friedrich von Stahle (1204-1249). Adelige, die mit Gütern in Stahle beliehen waren: von Hagen, Nigankerkenken, von Wanthusen, von Werdinghusen.

Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Stahle 1632 vollkommen zerstört und in den Folgejahren neu aufgebaut.

Eine Kirche wird 1262 urkundlich erwähnt und 1647 eine Kirchweihe. Namentlich erwähnt wird 1262 ein Johan de Eyßen als Rektor der Kirche in Stahle.

Bis 1669 zur Kirchengemeinde Albaxen zugehörig, bildet Stahle seit dem 29. November 1669 ein eigenes Kirchspiel. Die 1697 erbaute Kirche wurde 1963 abgerissen und durch den 1964 fertiggestellten Neubau ersetzt. 1732 erhielt die Kirche das noch heute vorhandene wertvolle barocke Sandsteinportal (Haupteingang) und den in seiner Form in ganz Norddeutschland einmaligen Turm.

Bis heute ist der Ort durch alte Fachwerkbauten geprägt. Das älteste stammt aus dem Jahre 1668. Im Siebenjährigen Krieg schlugen 1757 französische Truppen ihr Lager im Ort auf und attackierten am 23. September 1761 erneut Stahle. Unter der Herrschaft Napoleons wurden sogar im Jahre 1810 Stahler Männer als Rekruten für die französische Armee herangezogen und kämpften für Napoleon in Russland.

Die Marienkapelle auf dem Feldberg wurde 1834 gebaut. 100 Jahre später, 1934, wurde nachträglich ein Spruch angebracht:

Seit 100 Jahren thronst du hier, o heilige Mutter, dank sei dir
das unsere Väter einst gelobten in der Colera-Not
das wollen wir auch getreulich halten bis zum Tod

Gemeint ist damit die Prozession, die alljährlich am 1. Sonntag im Juli (Mariä Heimsuchung) stattfindet. Seit dem Heiligen Jahr 1983/84 ist die Marienkapelle eine offizielle Wallfahrtsstätte des Erzbistums Paderborn. [10]

Stahle hatte früher ursprünglich vier Heiligenhäuschen (Wegekapellen) an den Ortseingängen. Zwei davon sind noch erhalten, die anderen wurden im Zuge von Straßenverbreiterungen abgerissen. Sie sind aber mittlerweile fast an den gleichen Stellen wieder neu errichtet worden.

Im Kriegsjahr 1871 pflanzten die Stahler am Eingang des Dorfes an der jetzigen Corveyer Straße eine junge Eiche und nannten sie Friedenseiche. Sie steht noch heute dort, ein Naturdenkmal, das seit 136 Jahren die Menschen mahnt, Frieden zu halten.

Friedenseiche an der Corveyer Straße mit Heiligenhäuschen rechts daneben

Bis 1885 war Stahle durch eine Fähre mit Holzminden verbunden. Dann entstand eine Bogenbrücke über die Weser. Wer hinüber wollte, musste ein Brückengeld (Gasthaus „Altes Zollhaus“) zahlen. Am 06.04.1945 (Ende des 2. Weltkrieges) wurde die Brücke gesprengt. Bis zum 14.10.1950, als die neue Weserbrücke eingeweiht wurde, setzte man wieder eine Fähre ein.

1959 wurde das 15 m hohe Holzkreuz mit der Schrift „GEDENKE DER KRIEGSOPFER – BETE UM DEN WELTFRIEDEN“ aufgestellt, das an den Frieden ermahnen soll. Es wurde auch zum Stahler Wahrzeichen auf dem Dorfwappen.

Am 08.05.1985, 40 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges, pflanzte die Grundschule auf dem Feldberg einen Feldahorn als Friedensbaum. 10 Jahre später errichtete sie daneben einen Friedensstein.

Seit 1690 gab es in Stahle eine Schule, etwa 1879 war die Schule im Pfarrhaus untergebracht. Später wurde gegenüber ein Neubau errichtet. Seit 1956 befindet sich die Stahler Schule am „Alten Kirchweg“. In den 1970er Jahren entstand ein Schulzentrum mit Haupt- und Grundschule. Bis zur Schließung 2011 nahm die Hauptschule auch die Schüler aus Albaxen, Bödexen, Fürstenau und Lüchtringen auf. Die Grundschule wird mangels ausreichender Schülerzahlen 2014 geschlossen.

In Stahle gibt es noch einige alte, gut erhaltene Fachwerkhäuser mit schönen geschnitzten Torbögen. Das älteste Haus aus dem Jahre 1668 steht in der Heinser Str. 31.

Weitere alte Häuser:

  • Krekeler, Joh.-Prior-Straße: 1685
  • Borgolte, Alter Kirchweg: 1769
  • Krüger, Joh.-Prior-Straße: 1820
  • Potthoff, Am Schling: 1833
  • Schwiete, Am Schling: 1834
  • Happe, Am Schling: 1836
  • Bergmann, Winkel:1841
  • Gröne, Am Schling: 1844

Haus Krüger in der Dorfmitte

Die Freilichtbühne wurde 1959 fertig. Zehn Jahre lang hatten die Stahler Bürger sie in freiwilliger Arbeit nach einer Idee des letzten Stahler Bürgermeisters und Heimatdichters Heinz Mönkemeyer (1928 – 2006) hergerichtet. Viele Jahre fanden hier Freilichtaufführungen statt, gespielt von Stahler Laienspielern. Heute wird die Freilichtbühne wieder für Konzerte und Theateraufführungen genutzt.

Im Zuge der kommunalen Neugliederung wurde Stahle am 1. Januar 1970 nach Höxter eingemeindet und hörte somit auf, als eigenständige politische Gemeinde zu existieren. [2]

 

Einzelnachweise

[1] Manfred Spata „Über geographisch-geodätische Extremwerte in Nordrhein-Westfalen“, erschienen in Nachrichten aus dem öffentlichen Vermessungswesen, NÖV, Ausgabe 03/2008, S. 43-51 http://www.bezreg-koeln.nrw.de/brk_internet/presse/druckschriften/noev/noev_2008_3.pdf
[2] Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970.
[3] Gemeindeverzeichnis 1900: Landkreis Höxter
[4] Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
[5] Stadt Höxter > Zahlen & Fakten
[6] http://www.hoexter.de/internet/page.php?typ=2&site=908000012
[7] Zeitungsberichte und Laudatio, abgerufen am 10. Juni 2010
[8] Westfälisches Autorenarchiv beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe, abgerufen am 10. Juni 2010
[9] aus Wikipedia und alter Stahler Webseite
[10] Ortsheimatpfleger Heinz Mönkemeyer in der Huxaria EXTRA-Ausgabe vom Donnerstag, 20. Juni 1994

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